Drive – Filmkritik zur Rückkehr der Coolness in Actionfilmen

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Manche Filme erwischen vollkommen unerwartet. Man hatte sie nicht auf dem Schirm, hat weder vom Regisseur, noch vom Hauptdarsteller jemals etwas gehört- und Werbung oder Trailer hat man erst recht keine gesehen. Dann sieht man sie- mehr oder weniger zufällig- und fällt fast aus dem Sessel.

Drive ist einer dieser Filme.

Letztes Jahr gedreht, startet der Film am 26. Januar in deutschen Kinos und zeigt einmal mehr, warum es sich lohnt eine Leidenschaft für Filme zu haben. Er fesselt, spielt perfekt mit der Spannung des Zuschauers und schafft es diesen ganz nach dem Motto “weniger ist manchmal eben doch mehr” vollkommen in seinen Bann zu reißen.

Die Handlung dreht sich um einen jungen Mechaniker und äußert begabten Fahrer in Los Angeles, der sich einen Nebenverdienst durch Stunts für die Filmbranche und Fluchtfahrten für die Unterwelt verdient. So clichebeladen dies auch klingen mag, so schafft es der Film diesen Charakter ohne viele Worte und durch beeindruckende Kameraarbeit interessant auszuarbeiten. Gespielt wird der namenlose Fahrer übrigens von Ryan Gosling, keinem unbekannten Gesicht, der in dieser Rolle jedoch vollkommen zu begeistern vermag.

Der Fahrer ist kein Mann vieler Worte oder ausschweifender Emotionen und so bestreitet Gosling weite Teile des Films  ohne Text und mit karger Mimik- und schafft es doch einen Charakter darzustellen, wie ihn man ihn schon seit einiger Zeit nicht mehr auf der Leinwand bewundern durfte. Cool, ohne gefühllos zu wirken, stoisch wie ein Held aus vergangenen Zeiten und beeindruckend in seiner Lässigkeit.

Viele Actionhelden der letzten paar Jahrzehnte haben dies versucht und sind kläglich gescheitert indem ihre Coolness auf gesetzt, ihre Lässigkeit lächerlich und ihre Abgeklärtheit unrealistisch wirkten. Nicht jedoch der namenlose Fahrer in Nicolas Winding Refns neustem Film.

Während wir den Fahrer zuerst durch eine Fluchtfahrt für zwei Einbrecher kennenlernen, so sehen wir anschließend, dass er auch ein Leben am Tage führt und in der Werkstatt seines Freundes und Chefs Shannon (gespielt von Bryan Cranston – brilliant in Breaking Bad und Malcom mittendrin) arbeitet, der sein Talent als Fahrer erkannt hat und ihn als Stock-Car-Rennfahrer etablieren will, hierzu jedoch noch das nötige Kleingeld braucht. Dieses gedenkt er sich von dem kriminellen Bernie Rose (Albert Brooks) zu besorgen, der seinen Partner den aggressiven und großmäuligen Nino (Ron Perlman) jedoch erst von diesem Vorhaben überzeugen muss.

Gleichzeitig lernt der Fahrer seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) kennen, deren Mann Standard im Gefängnis sitzt, was sie allein mit ihrem Sohn Benicio daheim zurücklässt. Die beiden befreunden sich und es bahnt sich eine Liebesbeziehung an, als Irene plötzlich erfährt, dass ihr Mann aus der Haft entlassen wird.

Standard hat sich im Gefängnis mit üblen Typen eingelassen und schuldet diesen nun “Schutzgeld”, dass er durch einen Raubüberfall besorgen soll. Sollte er sich weigern, wären Irene und sein Sohn in Gefahr. Der Fahrer stellt sich ihm als Partner für den Job zur Seite.

Ihr Vorhaben scheint zunächst nach Plan zu verlaufen, als plötzlich alles aus dem Ruder läuft und der Fahrer in eine Spirale der Gewalt gezogen wird, die ihn den Gangstern entgegenstellt, für die er eigentlich arbeiten sollte…

Besonders hervorzuheben sind an Driver der exzellente Soundtrack, der es schafft mit seinem Drift ins Elektronische sowohl zeitgemäß als auch retro zu wirken und die beeindruckende Kameraarbeit, die den Zuschauer immer wieder mit nahezu magischen Einstellungen zu begeistern weiß.

Alle Schauspieler lieferten eine überzeugende Performance, wobei ich besonders von Ryan Gosling in der Hauptrolle beeindruckt war, der es vermochte, trotz oder gerade durch einen Minimalismus an Mimik einen äußerst scharf gezeichneten Charakter darzustellen.

Kleinere Plotschwächen im letzten Drittel des Films lassen mich von 5 möglichen einen Stern abziehen, aber hier stelle ich mich vielleicht auch ein wenig an.

Somit die Wertung:

Eine definitive Empfehlung für diesen außergewöhnlichen Film!

Drive - ein Actionfilm, der es schafft Kunst zu sein

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